· 

Wechseljahre - Übertritt in den zweiten Frühling

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Veränderungen bringen Unsicherheit mit sich, fordern uns auf verschiedensten Ebenen heraus, zwingen uns dazu, unsere Komfortzone zu verlassen.

Doch in unserem Lebenszyklus kommt es von Natur aus immer wieder zu Veränderungen. Zu den einschneidendsten gehören wohl die Pubertät und die (weiblichen) Wechseljahre. Beide Phasen sind geprägt von einer hormonellen Umstellung des Körpers. Während in der Pubertät die Suche nach der eigenen Identität im Vordergrund steht, bietet die Zeit der Wechseljahre die Chance, der inneren Stimme zu lauschen, sich von Dingen und Menschen zu verabschieden, die nicht mehr in unser Leben passen und gesellschaftlichen Zwängen, Erwartungen und Rollenbildern adieu zu sagen. Wie wohltuend diese Vorstellung doch ist!

 

In den Jahren vor und nach der letzten Monatsblutung (Menopause), befinden sich Frauen in den Wechseljahren. Meist beginnen die Wechseljahre ab Mitte 40 und machen sich oft durch einen unregelmässigeren Zyklus bemerkbar. Die Liste der möglichen Wechseljahrbeschwerden ist lang: Hitzewallungen, Nachtschweiss, trockene Haut und Schleimhäute, Stimmungsschwankungen, Migräne, Gewichtszunahme, Schlafstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Haarausfall, Vergesslichkeit, … machen in unterschiedlicher Stärke und Häufigkeit vielen Frauen das Leben schwer. Wie stark Frauen unter Wechseljahrbeschwerden leiden, ist sehr individuell. Ein Drittel aller Frauen kommt gut damit zurecht und hat keine oder kaum Probleme. Zwei Drittel leiden mehr oder weniger stark.

 

Aus Sicht der TCM wird die nachlassende Nierenkraft (v.a. des Nieren-Yin) im Alter für die Wechseljahrbeschwerden verantwortlich gemacht. Fehlt es an YIN (Feuchtigkeit, Substanz, Kühlendem, …) ist das YANG (Bewegung, Wärme, Trockenheit) im Überschuss. Das erklärt die nach oben schiessenden Hitzewallungen, die trockene (Schleim-)Haut, die Schlafstörungen. Die nachlassende Nierenenergie hat auch Auswirkungen auf andere Organsysteme. So arbeitet z.B. auch unsere Milz mit zunehmendem Alter weniger effizient. Da in der chinesischen Medizin die Milz für die Verstoffwechslung der Nahrung und die Produktion von Blut verantwortlich ist, sind auch Symptome wie Gewichtszunahme, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Vergesslichkeit erklärbar.

 

Wie einfach und angenehm wäre es doch, mit der Einnahme von Hormonen diesen Unannehmlichkeiten ein Schnippchen zu schlagen. Doch der Schein trügt: Mit der Einnahme von Hormonen (auch bioidentischen) wird dem Körper ein Zustand «vorgegaukelt», der nicht zum biologischen Alter passt. So bringt man Vieles durcheinander. Nebst dem erhöhten Risiko für Brustkrebs, Herzinfarkt und Schlaganfall werden die Wechseljahre einfach nach hinten verschoben. Jede zweite Frau leidet nach dem Absetzen der Hormone sogar unter verstärkten Wechseljahrbeschwerden.

 

Wir tun also gut daran, dem Hormonhaushalt die nötige Zeit zu geben, die er braucht, damit er sich neu regulieren und ausbalancieren kann. Heilpflanzen, Akupunktur, eine ausgewogene Ernährung und unsere Einstellung können helfen, diese Lebensphase als Übertritt in den zweiten Frühling zu erleben.

 

Hilfreiche Tipps im Umgang mit Wechseljahrbeschwerden

 

Einstellung:

  • Akzeptieren der körperlichen Veränderungen
  • Positive Seiten dieser Lebensphase sehen (Lebenserfahrung, Reife, …)
  • In den Beschwerden Gutes sehen (z.B. Hitzewallungen: verbrennen, was verbrannt werden will)
  • Zulassen, dass man nicht mehr so viel stemmen mag (und muss) wie früher
  • Achtsamer und liebevoller Umgang mit sich selbst 

Heilpflanzen:

  • Salbei: Hemmt die Schweissproduktion. Als Tee, in Form von Tropfen oder auch als Badezusatz
  • Pfefferminz: wirkt kühlend. Als Tee oder Hydrolat eingenommen
  • Alchemilla (Frauenmantel): ist DIE "Frauenheilpflanze" und wirkt bei verschiedensten Beschwerden
  • Hopfen, Traubensilberkerze, Yamswurzel, Nachtkerzenöl: wirken ausgleichend bei Östrogenabfall
  • Johanniskraut, Pulsatilla (Kuhschelle), Melisse: helfen bei Stimmungsschwankungen. Achtung: Johanniskraut wirkt fototoxisch. D.h., dass es in Verbindung mit Sonnenlicht zu Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut kommen kann. Deshalb ist vor allem im Frühjahr und Sommer Vorsicht geboten.
  • Granatapfelöl: befeuchtet Haut und Schleimhäute 

Ernährung:

  • Mehrmals täglich warm essen!
  • Vermeiden von stark erhitzendem Essen (Grilliertes, Frittiertes, Scharfes)
  • Grosszügiges Verwenden von wertvollen Ölen / Fetten
  • Sparsames Verzehren von Kuhmilchprodukten 

Akupunktur:

Die Impulse der Nadeln unterstützen den Körper beim Finden des neuen (hormonellen) Gleichgewichts. Oft sind bereits nach wenigen Behandlungen deutliche Verbesserungen spürbar.

 

Ich freue mich, Sie durch Ihren ganz persönlichen zweiten Frühling zu begleiten! Kontakt